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Die Stille am Dom zu

Der Domplatz, so vertraut und belebt, taucht in die Nacht. Die Lichter der Gaslaternen tauchen das uralte Pflaster in ein warmes, fahles Licht. Doch als die letzte Glocke […] Mehr lesen

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Das Echo des Schmerzes

Ein schmaler Umschlag ohne Absender, ein unerwartetes Päckchen Hoffnung in der bleiernen Leere des Lebens. Ein Jahr war vergangen, seit die Stille die einzige Antwort war. Dann […] Mehr lesen

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Jeder Regentropfen ist

Die Welt war eingekapselt in der trockenen Stille der Wohnung, bis ein ungestümer, beinahe unwiderstehlicher Impuls einen Mann in das lebendige Chaos hinauszog. Es war kein Plan, […] Mehr lesen

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Das Geheimnis der freundlichen Inseln

Ich träume noch immer von diesem Blau.

Es ist kein Himmelblau und kein Meeresblau, sondern das Blau der Stille, das Blau der vergessenen Zeit. Es liegt über den Inseln wie ein Schleier, der alles Weiche und Scharfe verschluckt. Manchmal, in stressigen Momenten, sehne ich mich danach. Dann schließe ich die Augen und sehe das spiegelglatte Wasser, die steilen, grünen Hänge, die in dieses unergründliche Blau getaucht sind. Doch mit dem Blau kommt die Erinnerung an das Lachen. Ein Lachen ohne Geschichte, ein Lachen, das nichts bedeutet. Und ich weiß, dass ich nie zurückkehren darf.

Der Brief roch nach Salz und Kiefernharz.

Er lag zwischen Rechnungen und Werbeprospekten, ein handgeschriebener Umschlag aus schwerem, gelblichem Papier. Die Schriftzüge meines alten Freundes Elias kringelten sich über das Papier, als wären sie unter Wasser geschrieben worden. "Komm zu mir", stand da. "Komm zu den Blauen Inseln. Hier gibt es kein Gestern und kein Morgen. Hier gibt es nur den Augenblick, und der ist vollkommen." Ich strich mit den Fingern über die Tinte. Elias hatte Norwegen vor Jahren den Rücken gekehrt, um in einer abgelegenen Gemeinschaft zu leben. Ich hatte seine Entscheidung nie verstanden. Jetzt, da meine eigene Welt aus den Fugen geriet, klang seine Einladung wie ein Rettungsseil.

Das Boot schnitt durch das dunkle Wasser.

Der Bootsführer, ein wortkarger Mann mit wettergegerbtem Gesicht, nickte nur in Richtung des offenen Meeres. "Dort draußen liegen sie", murmelte er. "Die Blauen Inseln. Man findet sie nur, wenn man sie sucht." Die Luft wurde kälter, salziger. Dann tauchten sie am Horizont auf: eine Gruppe niedriger, bewaldeter Inseln, die aus dem Meer zu wachsen schienen. Um sie herum lag ein seltsamer Lichtschein, ein Blau, das tiefer war als der Himmel. Es war, als ob die Inseln von einer eigenen Atmosphäre umgeben waren. Das Boot glitt in eine schmale Passage zwischen zwei Felswänden. Das Geräusch der Motoren erstarb, und eine Stille verbreitete sich aus, die so absolut war, dass sie in meinen Ohren dröhnte.

Ein verwitterter Steg aus alten Planken.

Niemand war da, um mich zu empfangen. Ich nahm meinen Rucksack und stieg aus. Das Holz knarrte unter meinen Füßen. Die Luft roch nach feuchtem Erde, nach Blättern und nach etwas anderem, etwas Süßlichem, das ich nicht einordnen konnte. Von den Bäumen hinter dem Uferstreifen drang Vogelgezwitscher, aber es klang monoton, wie eine aufgezogene Spieluhr. Ich ging langsam den Pfad hinauf, der sich in den Wald schlängelte. Das Licht war hier gedämpft, gefiltert durch dichte Blätterdächer. Alles war in Grün- und Blautönen getaucht. Meine Schritte waren der einzige Laut.

Er schälte Äpfel auf der Veranda.

Seine Bewegungen waren langsam, bedächtig. Als er mich sah, lächelte er, aber sein Lächeln erreichte seine Augen nicht. Sie waren so blau wie das Wasser im Fjord, und genauso undurchdringlich. "Du bist gekommen", sagte er. Seine Stimme klang rau, unbenutzt. Er stand nicht auf, sondern deutete auf einen zweiten Stuhl. Ich setzte mich. Er reichte mir eine Schale mit Apfelspalten. Das Fruchtfleisch war weiß und feucht. "Willkommen in einem Ort ohne Sorgen", sagte er. Ich biss in den Apfel. Er schmeckte nach nichts.

Ein Tanz im Kreis auf der Wiese.

Es bestand aus vielleicht zwanzig Häusern, die kreisförmig um eine Wiese angeordnet waren. Auf der Wiese tanzten Menschen. Sie hielten sich an den Händen und wirbelten im Kreis, ihre Kleider flatterten. Sie lachten. Es war ein klingendes, fröhliches Lachen, das durch die klare Abendluft schallte. Doch es war etwas daran, das mich frösteln ließ. Das Lachen klang zu gleichmäßig, zu synchron. Es gab keinen Ruf, keine Antwort, nur einen anhaltenden Chor der Freude. Elias legte eine Hand auf meine Schulter. "Sieh nur. Sie leben im Jetzt. Sie trauern nicht, sie sehnen sich nicht." Ich beobachtete die tanzenden Gesichter. Sie waren entspannt, glatt, ohne Falten der Sorge oder der Konzentration. Es waren Gesichter ohne Geschichte.

Ein Klopfen am Fenster in der Nacht.

Ich setzte mich auf. Das Klopfen war leicht, beharrlich. Ich trat ans Fenster und sah hinaus. Im Mondlicht, das bläulich durch die Bäume fiel, stand eine Gestalt. Sie war groß und schlank, ihre Haut schimmerte perlmuttern. Sie hatte mandelförmige Augen, die das Mondlicht reflektierten. Sie war weder Mann noch Frau, sondern etwas Dazwischen. Sie lächelte, und in ihrem Lächeln lag eine unermessliche Traurigkeit. Dann hob sie einen fingerlangen Arm und deutete auf den Wald. Sie öffnete den Mund, aber kein Ton kam heraus. Stattdessen drang ein Bild in meinen Kopf: ein Baum mit goldenen Früchten, der langsam verdorrte. Dann verschwand sie. Ich blieb am Fenster, das Herz klopfend. War es ein Traum?

Ein Weg durch uralte Bäume.

Er willigte ein. Wir folgten einem Pfad in den Wald hinein. Die Bäume waren uralt, ihre Stämme mit dickem Moos bedeckt. Das süßliche Aroma war hier stärker, fast betäubend. "Was ist das für ein Geruch?", fragte ich. Elias atmete tief ein. "Das ist der Duft der Zufriedenheit." Wir kamen zu einer Lichtung. In ihrer Mitte stand ein einzelner, knorriger Baum mit silbriger Rinde. An seinen Ästen hingen leere, durchsichtige Hüllen, die im Wind klirrten. "Was ist das?", flüsterte ich. Elias berührte eine der Hüllen. "Das sind die Träume, die hier nicht gebraucht werden." Ich sah genauer hin. In einigen Hüllen flackerte ein schwacher Schein, wie ferner Blitz. "Und die, die noch glimmen?" "Das sind die Träume der Neuankömmlinge. Sie dauern ein paar Tage. Dann verlöschen sie."

Gemeinsames Essen in der großen Halle.

Es gab Brot, Käse, gedünstetes Gemüse. Alles schmeckte frisch, aber fade, als ob die Gewürze der Erinnerung fehlten. Die Menschen aßen mit Appetit, plauderten und lachten. Ich beobachtete sie. Niemand sprach von der Vergangenheit. Niemand erzählte Geschichten. Niemand machte Pläne für den nächsten Tag. Das Gespräch drehte sich um das Wetter, um die Mahlzeit, um den Tanz des vorigen Abends. Es war ein ewiger, oberflächlicher Austausch. Elias saß neben mir und achte sorgfältig seine Suppe. "Sie sind glücklich", sagte er. "Sie haben alles, was sie brauchen." Ich fragte: "Und du? Bist du glücklich?" Er legte den Löffel ab. Sein Blick wanderte zum Fenster. "Ich habe keinen Schmerz."

Elias zeigt mir die Kunst der Freude.

Es war eine Übung. Man sollte den Atem tief in den Bauch fließen lassen, die Mundwinkel heben und dann einen Ton ausstoßen, der von der Brust aufsteigt. "Es geht nicht um das, was man fühlt", erklärte er. "Es geht um die Handlung selbst. Das Lachen reinigt." Ich versuchte es. Mein Lachen klang gequält, hölzern. Elias lachte sein perfektes, klingendes Lachen. "Du wirst es lernen. Mit der Zeit vergisst du, warum du überhaupt je anders gelacht hast." In diesem Moment spürte ich einen Stich in der Brust. Es war die Erinnerung an meinen Vater, der ein raues, kehliges Lachen hatte, wenn er einen guten Witz erzählte. Dieses Lachen war mit seiner Geschichte, mit seinem Leben verwoben. Hier sollte ich es vergessen. Ich presste die Lippen zusammen.

Ein Wesen am Ufer des Sees.

Ich mied die Lichtung mit dem Traumbaum, aber ich suchte nach der perlmutternen Gestalt. Eines Nachmittags fand ich sie. Sie saß am Ufer eines kleinen Sees, ihre Beine ins Wasser getaucht. Als ich näher kam, drehte sie den Kopf. Ihre Augen waren wie grüne Steine. "Du bist noch nicht leer", sagte sie. Ihre Stimme war ein Rascheln von Blättern. "Was bist du?", fragte ich. "Ich bin einer, der sich erinnert. Ich bin ein Hüter der Geschichten." Sie stand auf, und das Wasser tropfte von ihren Beinen, ohne Spuren zu hinterlassen. "Diese Inseln leben vom Vergessen. Die Menschen geben ihre Erinnerungen ab, und im Gegenzug erhalten sie diese glatte Freude." "Was geschieht mit den Erinnerungen?" Sie zeigte auf den See. "Sie liegen dort unten. Sie nähren die Wurzeln der Inseln." Ich blickte auf das Wasser. Es war dunkelblau, und tief unten glaubte ich, schimmernde Fragmente zu sehen, wie zerbrochenes Glas.

Bilder im schwarzen Wasser des Sees.

Ich kehrte an den See zurück, als die Dämmerung hereinbrach. Das Wasser war jetzt schwarz, und an der Oberfläche tanzten winzige Lichtpunkte, wie Glühwürmchen. Ich kniete nieder und tauchte meine Hand ein. Das Wasser war eiskalt. Sofort wurde ich von Bildern überflutet: ein Kindergeburtstag, der Geruch von Kerzen, das Gefühl von Überforderung bei der ersten Arbeit, der Kuss einer Geliebten, der Schmerz eines Verlustes. Sie waren nicht meine Erinnerungen. Sie waren fremd, aber intensiv. Ich zog meine Hand zurück, als hätte mich etwas verbrannt. Die Lichtpunkte um mich herum pulsierten. Ich verstand. Dies war der Ort, an dem alles hing, was die Bewohner aufgegeben hatten. Ihre Freude war auf diesem Friedhof der Vergangenheit gebaut.

Ich kenne nun die Wahrheit.

Er saß im Dunkeln. "Ich weiß jetzt", sagte ich. "Ich weiß, was hier geschieht." Er nickte langsam. "Es ist ein fairer Tausch. Der Schmerz, die Sehnsucht, die Enttäuschung – sie sind zu schwer zu tragen. Hier kann man sie abgeben." "Aber man gibt auch alles andere auf! Die Liebe, die Stolz, die kleinen Triumphe! Man gibt sich selbst auf!" Meine Stimme brach. Elias sah mich an. In seinen blauen Augen war eine Leere, die mich erschaudern ließ. "Ich erinnere mich nicht mehr daran, was ich aufgegeben habe. Und das ist ein Segen." Da wusste ich, dass ich gehen musste. Nicht, weil ich die Freude nicht wollte, sondern weil ich mein Leben, mit all seinen Schatten und Lichtern, nicht gegen diese glatte Oberfläche eintauschen wollte.

Beobachtungen beim nächtlichen Fest.

Ich nahm teil, aber diesmal beobachtete ich nur. Die tanzenden Körper, die lachenden Gesichter – sie waren wie eine Maske, hinter der nichts war. Ich sah Elias unter ihnen. Sein Lachen war das lauteste, sein Tanz der ausgelassenste. Er hatte sich vollkommen angepasst. Er war zu einem Bewohner der Blauen Inseln geworden. Ein Teil von mir wollte ihn retten, ihn an etwas erinnern, aber ich wusste nicht mehr, woran. Ich hatte nur noch eine vage Erinnerung an den Mann, der er einmal war. Der See hatte sie vielleicht schon.

Ein regloser Elias am Ufer.

Das Boot des wortkargen Fährmannes wartete schon. Elias umarmte mich kurz, steif. "Du könntest bleiben", sagte er. "Du könntest lernen, glücklich zu sein." Ich schüttelte den Kopf. "Es wäre kein Glück. Es wäre Vergessen." Er zuckte mit den Schultern. "Vielleicht ist das dasselbe." Ich stieg ins Boot. Als wir ablegten, stand Elias reglos am Ufer und winkte nicht. Sein Gesicht war eine leere Fläche. Die Inseln verschwammen im blauen Dunst, bis sie nur noch ein Fleck am Horizont waren. Das Lachen der Inseln verfolgte mich noch eine Weile über das Wasser, dann erstarb es in der Stille des Fjords.

Die Wucht der normalen Welt.

Die Geräusche der Stadt waren ein ohrenbetäubender Lärm nach der Stille der Inseln. Die Gesichter der Menschen waren zerfurcht von Sorgen, von Müdigkeit, aber auch von Lebendigkeit. Ich ging in meine Wohnung, die mir fremd vorkam. Alles war staubig. Ich setzte mich und versuchte, mich an das Lachen der Inseln zu erinnern. Es war schon verblasst, ersetzt durch das Echo meines eigenen, rauen Lachens. Ich weinte. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte ich etwas Tiefes, Schmerzhaftes, Menschliches.

Die Sehnsucht nach dem fernen Blau.

Ich träumte von dem perlmutternen Wesen, das mir stumm Geschichten zeigte. Ich träumte von dem See der Erinnerungen. Manchmal, wenn ich besonders erschöpft war, sehnte ich mich nach der mühelosen Freude der Inseln. Dann öffnete ich die Schublade, in der ich Elias' Brief aufbewahrt hatte, und roch daran. Der Duft nach Salz und Harz war noch da, aber auch der süßliche Geruch der Inseln. Ich schloss die Schublade schnell. Ich wusste, dass ich anfällig war.

Elegante Schriftzüge locken erneut.

Die Schrift war nicht die von Elias. Sie war eleganter, geschwungener. "Du hast die Inseln gesehen, aber nicht verstanden", stand darin. "Komm zurück. Ich zeige dir ihre wahre Schönheit. Komm mit mir auf die Inseln der Sonne." Der Brief war nicht unterzeichnet. Er roch nach Jasmin und nassem Stein. Ich zerriss ihn, warf die Stücke in den Müll. In der Nacht träumte ich von einer Frau mit Haaren wie fließendes Gold und Augen, die die Farbe der Mitternachtssonne hatten. Sie streckte mir die Hand entgegen.

Der Alltag wird zu einer Last.

Meine Arbeit war bedeutungslos, meine Beziehungen oberflächlich. Die Erinnerung an die glatte Freude der Inseln wurde zu einem verlockenden Flüstern. Was, wenn Elias recht hatte? Was, wenn das Vergessen der Schlüssel zum Frieden war? Ich begann, die zerrissenen Stücke des Briefes aus dem Müll zu fischen. Ich klebte sie zusammen. Die Adresse war dieselbe wie beim ersten Mal. Ich buchte eine Fähre nach Norwegen.

Sol wartet am alten Anleger.

Sie trug ein Kleid, das aus blauen und goldenen Stoffstreifen gewebt war, und ihr Haar fiel ihr wie ein Wasserfall über die Schultern. Ihr Lächeln war warm, einladend. "Ich wusste, dass du kommen würdest", sagte sie. Ihre Stimme war wie Musik. "Mein Name ist Sol. Ich bin eine Tochter der Inseln." Sie führte mich zu einem anderen Boot, einem schlanken Segelboot. "Wir gehen nicht zu den Blauen Inseln", erklärte sie. "Wir gehen zu den Inseln der Sonne. Sie liegen dahinter. Dort ist die Freude nicht passiv. Dort ist sie ein Fest." Das Segel blähte sich im Wind, und wir glitten über das Wasser, das in der untergehenden Sonne wie flüssiges Gold glänzte.

Die Inseln der Sonne erstrahlen.

Die Inseln der Sonne waren kleiner, felsiger. Das Licht hier war intensiv, warm, golden. Die Luft roch nach wilden Kräutern und Honig. Auf den Klippen tanzten Wesen, die ich nicht sofort einordnen konnte. Sie waren klein und flink, mit purpurroten Mützen und glänzenden Schuhen. Sie wirbelten im Kreis und sangen ein Lied in einer Sprache, die ich nicht verstand, aber die mich zum Lächeln brachte. "Das sind die Kobolde", sagte Sol. "Sie bewachen die Freude." Weiter oben, zwischen silbernen Bäumen, huschten schlanke Gestalten mit spitzen Ohren. Sie warfen mir lachend Beeren zu, die auf meiner Zunge explodierten. "Die Elfen." Alles war lebendig, pulsierend. Hier war die Freude aktiv, kreativ, ansteckend.

Der Baum der Gegenwart am Gipfel.

Dort stand ein einzelner, gewaltiger Baum. Sein Stamm war silbrig, seine Blätter schimmerten in allen Grün- und Goldtönen. Von seinen Ästen hingen Lichter, die wie gefangene Sterne aussahen. "Das ist der Baum der Gegenwart", sagte Sol. "Er nährt sich von den Momenten, die hier gelebt werden. Jedes Lachen, jeder Tanz, jede Berührung lässt ihn stärker leuchten." Ich legte meine Hand an die Rinde. Eine Wärme pulsierte darunter, ein langsamer, beruhigender Rhythmus. "Hier gibt es kein Vergessen", flüsterte Sol. "Hier gibt es nur die Fülle des Jetzt. Die Vergangenheit ist nicht verloren, sie ist im Baum gespeichert, als Nährstoff für die Gegenwart." Es klang perfekt.

Ein Tanz mit den Wesen der Insel.

Alle Wesen der Insel versammelten sich um den Baum. Die Kobolde spielten auf winzigen Instrumenten, die Elfen tanzten auf unsichtbaren Pfaden in der Luft, und die Baumgeister, massive Wesen aus Holz und Moos, sangen eine tiefe, erdige Melodie. Sol nahm meine Hand und wir tanzten. Das Lachen hier war anders. Es kam aus der Mitte des Bauches, es war laut und ungehemmt. Ich lachte mit. Ich vergaß die Zeit. Ich vergaß Elias, vergaß die Blauen Inseln, vergaß mein Leben da draußen. Für einen Moment war ich vollkommen da.

Ein kalter Punkt in der Freude.

Doch selbst in dieser goldenen Freude spürte ich einen kleinen, kalten Punkt in mir. Es war die Erinnerung daran, dass ich ein Außenstehender war. Dass diese Freude nicht meine war, sondern mir nur geliehen wurde. Ich beobachtete Sol. Ihr Lachen war so strahlend wie die Sonne, aber ihre Augen, wenn sie unbeobachtet glaubte, wurden nachdenklich, fast traurig. In einer Pause des Festes zog ich sie beiseite. "Was ist der Preis hier?", fragte ich. "Alles hat einen Preis. Auf den Blauen Inseln ist es die Erinnerung. Was ist es hier?" Sie sah mich lange an. "Hier ist der Preis die Zukunft", sagte sie leise. "Du kannst hier bleiben, in diesem ewigen Jetzt. Aber du wirst nie wieder vorwärts gehen. Du wirst nie wieder wachsen. Du wirst nur noch sein."

Ein Gefängnis aus hellem Licht.

Die Wahrheit traf mich wie ein Schlag. Die goldene Freude war ein Gefängnis aus Licht. Die Blauen Inseln waren ein Gefängnis aus Vergessen. Beide verlangten einen Teil meiner Menschlichkeit. Ich trat zurück von Sol. "Ich kann nicht bleiben." Sie nickte, als hätte sie es erwartet. "Die meisten können es nicht. Sie sehnen sich entweder nach dem, was war, oder nach dem, was sein könnte. Nur wenige können ganz im Jetzt leben." Sie berührte meine Wange. Ihre Hand war warm. "Aber du hast jetzt eine Wahl. Du kannst zurückkehren in deine Welt, mit der Erinnerung an beide Inseln. Du wirst wissen, dass es Orte gibt, an denen die Zeit stillsteht. Der Preis für das ewige Jetzt ist die Zukunft.

Sol bleibt unter dem silbernen Baum.

Ich verließ Sol am Fuße des Baumes der Gegenwart. Der Abstieg von der Insel der Sonne fühlte sich an, als würde ich durch Honig waten. Jeder Schritt forderte Willenskraft. Das goldene Licht, das mich eben noch umarmt hatte, schien jetzt zu kleben, mich zurückhalten zu wollen. Die Kobolde und Elfen beobachteten mich schweigend, ihre fröhlichen Aktivitäten eingestellt. Ihre Gesichter waren nicht feindselig, aber enttäuscht, als ob ich ein großartiges Geschenk ausschlug. Sol begleitete mich nicht. Sie stand regungslos unter dem silbrigen Baum, ihr goldenes Haar ein letzter Fleck Wärme in der sich verdunkelnden Landschaft. Das Segelboot lag noch am Ufer. Ich stieg ein und löste die Leine. Die Strömung trug mich langsam weg. Ich blickte nicht zurück.

Zonen des grauen Schweigens.

Zwischen den Inseln der Sonne und der Außenwelt lag eine Zone des Nebels. Dichte, graue Schwaden schluckten das Licht und jeden Schall. Das Boot glitt lautlos durch die unbewegte See. In dieser absoluten Stille hallten die beiden Angebote in mir nach. Das glatte, vergessene Blau Elias' und das intensive, gefangene Gold Sols. Beide verhießen Frieden, doch beide verlangten einen Amputationsakt an meiner Seele. Der Nebel schien diese Gedanken zu materialisieren. An den Rändern meiner Sicht glaubte ich, Gestalten zu erkennen: auf der einen Seite die leeren, lächelnden Gesichter der Blauen Inseln, auf der anderen die wild tanzenden Silhouetten der Sonneninseln. Sie winkten nicht. Sie warteten nur. Ich ruderte mit letzter Kraft, bis das erste graue Tageslicht der normalen Welt den Nebel durchbrach.

Eine Zärtlichkeit für das Leben.

Die Rückkehr in mein Leben war diesmal anders. Die Lärmwand der Stadt, der Gestank nach Abgasen und der Anblick gehetzter Gesichter lösten keinen Schrecken mehr in mir aus. Stattdessen spürte ich eine seltsame Zärtlichkeit für diese unvollkommene, schmerzhafte Lebendigkeit. Die blaue und die goldene Verlockung hatten mich immunisiert. Ich wusste nun, was auf dem Spiel stand. Das bedeutete nicht, dass das Leben leichter wurde. Die Arbeit blieb bedeutungslos, die Einsamkeit manchmal erdrückend. Doch wenn die Sehnsucht nach dem mühelosen Blau oder dem berauschenden Gold aufstieg, erinnerte ich mich an den Preis. Ich begann, meine eigenen, kleinen Inseln in der Zeit zu bauen. Einen Kaffee, den ich wirklich schmeckte. Ein Gespräch, das in die Tiefe ging. Die melancholische Schönheit eines Regentages. Es war mühsam. Es war nicht perfekt. Aber es war mein.

Die perlmutterne Gestalt im Flur.

Eines Herbstabends klopfte es an meiner Tür. Ich öffnete und erkannte sie sofort, obwohl ich sie nur im Mondlicht und im Traum gesehen hatte. Die perlmutterne Gestalt aus den Wäldern der Blauen Inseln stand in meinem Flur. Sie wirkte blasser hier, durchsichtiger, als würde die städtische Luft sie auflösen. Ihr süßlicher Duft mischte sich mit dem Geruch von nassem Asphalt. "Du hast beide Versuchungen widerstanden", sagte sie mit ihrer raschelnden Stimme. "Das macht dich interessant." Sie trat ein, ohne eingeladen worden zu sein, und betrachtete meine Bücher, die Fotos an der Wand. "Du sammelst weiterhin Geschichten." "Das tun Menschen", antwortete ich. Sie nickte. "Elias sammelt sie nicht mehr. Sol hortet sie nur für den gegenwärtigen Moment. Du lässt sie zu und lässt sie dann gehen." Sie nannte es nicht mutig. Sie nannte es lebendig.

Eine blaugoldene Glasscherbe.

Ich lehnte ab. Ich war kein Hüter oder Wächter. Ich war ein Mensch, der sich verirrt hatte und den Weg zurückgefunden hatte. Die perlmutterne Gestalt schien nicht überrascht. "Das ist auch eine Form des Wachens", meinte sie. Bevor sie ging, legte sie eine kleine, glatte Scherbe auf meinen Tisch. Sie war aus etwas, das wie blaugoldenes Glas aussah. "Eine Erinnerung an die Wahl", sagte sie. Dann löste sie sich buchstäblich in der dämmerigen Luft auf, wie Nebel vor der Sonne. Ich hob die Scherbe auf. Sie war warm. Wenn ich sie anschaute, glaubte ich, das sanfte Blau der Stille und das warme Gold der Gegenwart gleichzeitig zu sehen, vereint in einem splitterhaften, unvollkommenen Ganzen. Ich steckte sie in meine Tasche.

Ein kleiner Anleger zwischen den Zeiten.

Manchmal, in stressigen Momenten, sehne ich mich immer noch. Dann schließe ich die Augen und sehe das Blau oder das Gold. Aber ich halte die Scherbe in meiner Hand. Ihre scharfen Kanten erinnern mich daran, dass jeder Frieden, der meine ganze Geschichte leugnet, eine Falle ist. Ich träume nicht mehr von den Inseln. Stattdessen träume ich von der perlmutternen Gestalt, wie sie an den Küsten anderer Menschen steht, und flüstere. Ich träume von Elias, der endlos Äpfel schält, die nach nichts schmecken. Ich träume von Sol, die unter ihrem Baum tanzt, während ihre Augen den Horizont absuchen, den es für sie nicht gibt. Und manchmal, ganz selten, träume ich von mir selbst. Wie ich auf meinem eigenen, winzigen Anleger stehe, irgendwo zwischen Gestern und Morgen. Die Luft riecht nach Kaffee und Regen. Das Wasser ist weder spiegelglatt noch golden, sondern bewegt, grau-grün, lebendig. Ein Boot nähert sich. Ich hebe die Hand, um zu winken oder zu warnen, ich weiß es noch nicht. Ich warte. Die Entscheidung, was ich tun werde, ist der einzige Frieden, der mich nicht auffrisst.


Mit herzlichem Dank und den besten Wünschen,
Ihr Kartograf der Kuriositäten und globetrottender Geschichtenerzähler

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen mehr als 100 Jahre, durch den ersten und zweiten Weltkrieg, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrerer Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.

Quellenangaben:
Inspiriert von den düsteren Erinnerungen an einem herbstlichen Vormittag
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

Blaue Inseln ein Traum von Sonne vor Norwegen 7587

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