Südwärts

Durch die nordische Winternacht
auf harten, hallenden Schienenwegen
fahr ich südlicher Knospenpracht
fahr ich italischem Lenz entgegen.

Tief und tiefer ins Land hinein,
scheu, wie Träume die Nacht durchgleiten.
Schon spielt ein ernster rosiger Schein
auf den weißen, schweigenden Weiten.

Und der schneeige Duft zerrinnt.
Leise will sich die Ebene heben ...
küssend fühl ich den Morgenwind
durch das flatternde Haar mir schweben.

Und die Arme breite ich aus,
nordwärts greifen die zitternden Hände:
In das Land unserer Sehnsucht fahr ich hinaus
Und du? - Wer nur sagte, wo ich dich fände! -

Die Sonne von Capri steigt und glüht,
in den Grotten kichert es leise, lose ...
und auf dem Monte Tiberio blüht
einsam die erste Rose.

Quelle:
An sonnigen Borden - Südwärts
Gedichte von Clara Müller-Jahnke
Berlin 1910
www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

News & Infos


Wundererscheinung des verbreiteten Raums mit Farben und Licht.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Wie des Lebens innerste Seele athmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner blauen Flut - athmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Thier - vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. Keine andere Regierung ging in dieser Hinsicht so weit. Wie lange währte der Widerstand gegen den Opiumhandel, bis er jetzt endlich auf den Aussterbeetat gesetzt wurde. Männer wie Kesab Tschandersen weissagten, die englische Regierung werde einmal eine Armee von Trinkern in Indien zurücklassen. Im lothringischen Epos beschließt der Herzog Begues auf dem Wege zu seinem Bruder Garin, den er nach sieben Jahren wiedersehen will, einen Eber, von dem man Wunder erzählt, zu jagen und das Haupt desselben dem Bruder nach Metz zu bringen; die Klauen des Ungetüms stehen über fußbreit auseinander, die Zähne ragen einen vollen Fuß hervor, seine Kraft ist so groß, daß er, aufgescheucht, fünfzehn Meilen in einem Zuge rennt; der Herzog sprengt nach, Reiter und Hunde bleiben hinter ihm, nur zwei Bracken hat er zu Roß unter den Armen: endlich hält der Eber stand, zerreißt die Hunde und läuft gegen den kühnen Jäger an, der ihm den Speer in den Leib stößt; aber das Jagen war in fremdem Walde, von dessen Hütern der Herzog, gänzlich allein stehend, angefallen und, nachdem er vier derselben niedergestreckt, durch einen Bogenschuß ins Herz getroffen wird. Den bereits angeführten Beispielen können andre zugefügt werden. Demgemäß ist denn auch der Eber, zumal in ungewöhnlicher, dichterisch verstärkter Größe der Heldenwaffe kampfgerecht, und an ihm macht der jugendliche Recke sein Probestück. Auf der schon erwähnten Jagd des Nibelungenliedes erschlägt Siegfried einen großen Eber, der ihn zornig anläuft, mit dem Schwerte; ein andrer Jäger, heißt es, hätte das nicht so leicht vollführt. Dem Bruder wird statt des Eberhaupts die Leiche des Helden in einer Hirschhaut gebracht; kaum versöhnte Feindschaft ist wieder geweckt, und es entbrennt ein fortwuchernder Rachekrieg; die Jagd ist hier, wie bei Siegfrieds Tode, der waldfrische Hintergrund blutiger Geschichten, der Mord geschieht am Fuße einer Zitterespe. […]

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Gespenster bei Mondenlicht an meinem Kammerfenster.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Jüngling! sei so ruchlos nicht, und leugne die Gespenster. Ich selbst sah eins beim Mondenlicht aus meinem Kammerfenster, das saß auf einem Leichenstein: Drum müssen wohl Gespenster sein. Der Jüngling wende nichts dawider ein; es müssen wohl Gespenster sein. Der Alte meiner Schwester Sohn verschied, das sind nunmehr zehn Jahre! Sah seine Magd, die trefflich sieht, des Abends eine Bahre, und oben drauf ein Totenbein: Drum müssen wohl Gespenster sein. Ich wende nichts dawider ein; es müssen wohl Gespenster sein. Seine Verehrer datieren auch von dieser seiner Reise nach Ägypten die ersten Anfänge seiner Wundertätigkeit und lassen ihn besonders viele Meerwunder vollbringen. Ein Vorfall brachte seine Exzentrizitäten der Verwirklichung näher. Er übernahm diesen Auftrag um so bereitwilliger, als er dadurch Gelegenheit zu erhalten hoffte, eine Rolle als Retter der heiligen Stadt zu spielen. Die verarmten Mitglieder setzten ihre Hoffnung einzig und allein auf Raphael Joseph Chelebi in Kairo, von dem man wußte, daß er Vermögen und guten Willen hatte, seinen leidenden Brüdern, namentlich den Heiligen in Jerusalem, beizuspringen. Ein Sendbote sollte an ihn abgeschickt werden, und Sabbataï Zewi wurde allgemein als der geeignetste für diese Sendung angesehen, zumal er bei dem Saraf-Baschi eine beliebte Persönlichkeit war. Er erregte bereits so viel Aufmerksamkeit, daß sämtliche Juden Hebrons bei seinem Aufenthalte die ganze Nacht durchwachten, um sein Tun und Gebahren zu beobachten5. In Kairo angekommen, erhielt er sogleich von Chelebi die für die Befreiung der Jerusalemer Gemeinde erforderliche Summe und noch dazu eine außerordentlich günstige Gelegenheit, seine messianischen Träume unerwartet bestätigen zu können. Über die Jerusalemer Gemeinde wurde abermals von Seiten eines der Paschas oder eines Unterbeamten eine jener Erpressungen verhängt, welche öfter Folterqualen und Tod im Gefolge hatten. Aber Sabbataï reiste nicht zu Wasser, sondern zu Lande über Hebron und Gaza hin und zurück, wohl mit Anschluß an eine Karawane durch die Wüste. Die weißen Naturwunder wählen Ihre Blume! Kurz, alle diese Wunder der drahtlosen Telegraphie werden das kommende Zeitalter zu einem großartigen, unglaublichen machen. Er wird sogar imstande sein, nach seinem Willen nicht nur die große Armeekolonne in Bewegung zu setzen, sondern auch die kleinen Abteilungen. Sein Feldherrnblick allein wird entscheiden; denn er in seinem Zimmer oder in seiner Baracke wird alles sehen, die Bewegungen seiner Armeen, sowie die der feindlichen Heereshaufen. […]

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Ißt man die Keulen.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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und Coteletten von ihnen? fragte der Seemann. Es waren das keine gewöhnlichen Schafe, sondern eine in den Gebirgsgegenden der gemäßigten Zonen sehr verbreitete Art, denen Harbert den Namen "Muflons" (wilde Schafe) gab. Unbeweglich zwischen den Basalttrümmern glotzten die Thiere die Wanderer an, so als ob sie zum ersten Male zweifüßige Geschöpfe sähen. Plötzlich schien aber das Gefühl der Furcht in ihnen zu erwachen, und schnell waren sie über die Felsstücke springend verschwunden. Auf Wiedersehen!" rief ihnen Pencroff mit so komischem Tone nach, daß Alle darüber sich des Lachens nicht enthalten konnten. Es wird keine falsch verstandenen Befehle mehr geben, und der Oberbefehlshaber wird nicht erst darauf warten müssen, daß man ihm berichtet, wo der Gang der Schlacht ist, sondern er wird das ganze Schlachtfeld selber übersehen, und nicht das eine Schlachtfeld allein, sondern das ganze Land, in welchem die kriegerischen Operationen vor sich gehen. Die Berichterstattung wird natürlich auf außerordentlicher Höhe stehen; denn jedes, selbst das allerkleinste Blättchen, ja jeder Abonnent desselben wird sich den Luxus erlauben können, von seinem Zimmer aus den Kriegsereignissen beizuwohnen und alle Details derselben zu sehen. Das Durchschneiden der Kabel und das Zerstören der telegraphischen Leitungen wird in den Bewegungen der Heere keine Verzögerungen herbeiführen. Auch der Krieg wird wesentlich durch das drahtlose Zeitalter modifiziert. Selbst der Ruhm der Apostel und Märtyrer wurde von diesen neuerlichen volkstümlichen Anachoreten in den Schatten gestellt; die Christenheit fiel vor ihren Gräbern anbetend in den Staub; und die ihren Gebeinen zugeschriebenen Wunder übertrafen möglicherweise noch an Zahl und Wirkung die geistlichen Heldentaten ihres irdischen Lebens. Was von ihm sterblich war, wurde in feierlicher Prozession vom Berge Telenissa fortgetragen; hierzu fanden sich ein der Patriarch, der Heermeister des Ostens, sechs Bischöfe, einundzwanzig comes und sechstausend Soldaten; und Antiochia verehrte seine Gebeine als glorreiche Zierde und unüberwindliche Wehr der Stadt. In Massen erteilten Pilger aus Gallien und Italien der himmlischen Säule des Simeon ihre Reverenz; die Stämme der Sarazenen bekriegten sich nachgerade um seinen Segen; die Königinnen Arabiens und Persiens schrieben ihm übernatürliche Tugenden zu; und in hochwichtigen Staats- und Kirchenangelegenheiten erholte sich Theodosius in jüngeren Jahren Rats bei dem göttlichen Einsiedler. Die Klosterheiligen, die einem philosophischen Gemüt eigentlich nur Verachtung und Mitleiden verursachen, wurden vom Volk und den Herrschern respektiert, ja angebetet. […]

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Ausflugsziel Barockstadt Dresden.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Die Stadt macht einen ganz barock. Bemerkenswertes kennst du ja aus Bildern und Büchern. Warum das noch schildern. Und sozusagen scharrt mein Reisestock. Ich habe Angst, hier zu verwildern. August der Starke und Paris sind weit von diesem Tumerspieß, auch Walter von der Vogelwies. Was sind wir nun an Gas und Miete schuldig? Antworte nicht. Mit Geld steht’s diesmal schlecht. Vielleicht deshalb bin ich so ungeduldig und gegen Dresden billig ungerecht. Doch hier das tolle Welt- und Großstadtleben zermürbt mich ganz und gar. Übrigens: Würzen liegt nicht weit daneben, die Stadt, wo meine Mutter mich gebar. Tausend Dank den Dresdener Verehrern! Doch fort von Dresden! Meine Sehnsucht weht nach einer Stadt, die nur aus Oberlehrern und aus Gemütlichkeit besteht. Aber der schmale Pfad, auf welchem er wandelt, ist genau derjenige, welcher ihm vom Instincte seines Innern, von dem rein individuellen und doch so complicirten Wesen angewiesen wird, das seine Natur ausmacht. Er strebt weder nach dem Flammenstil der feurigen Temperamente, noch nach der Selbstbeherrschung des Weltmanns. Im Vergleich mit Swidger scheint er kühl, und im Vergleich mit Folkward naiv. Er hat auf der andern Seite nie, wie so viele von Frankreichs vorzüglichsten Schriftstellern, eine furchtbare oder empörende Handlung mit derselben stoischen Ruhe und in demselben Tone berichten können, mit welchem man erzählt, wo ein Mann von Welt seine Cigarren kauft oder wo man den besten Champagner erhält. Er hat sich nie geberdet, als ob er mit seinem Herzblut schreibe, wenn er ruhig als Künstler formte, und er hat sich geduldig darin gefunden, dass die Kritik ihm Mangel an Wärme vorwarf. Der ehemalige Leichtfuß Karl war dadurch keineswegs verdutzt, er nahm vielmehr gegen seinen älteren und ernsteren Bruder, welcher die Kabbala gleich der Alchemie und der Astrologie gründlich verachtete, einen belehrenden Ton an und sandte ihm zahllose Beweise aus dem Sohar und den andern kabbalistischen Schriften, daß Sabbataï der wahre Messias sei, und daß er notwendig dem Judentum entfremdet sein müsse. Der Abfall des falschen Messias vom Judentum brachte ihn von seinem Wahne nicht ab; er blieb ein eifriger Parteigänger desselben, rechtfertigte noch dazu dessen Verrat, als sei es notwendig gewesen, daß der Messias zu den Sündern gezählt werde, damit er die Sünde des Götzendienstes für Israel abbüße und tilge. […]

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Morgentau, die Hütte des Elends.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Und der Mann gab mir wohl auf meinen zitternden Ruf; gleichzeitig aber nahm er auch von mir. Und da ich genauer zusah, erkannte ich, daß dem viel mehr war, das er mir genommen, denn das er mir gegeben hatte. Da stieg ich hinab in die Hütte des Elends. Und als ich am Schmerzenslager des Weibes stand, das keine Milch in den Brüsten hatte und nicht wußte, womit es sein Kindlein nähren sollte, und das dennoch auf das Neugeborene mit einem leuchtenden Blicke herniedersah, in dem eine Welt von Kraft lag: - da fühlte ich ein Verwandtes erwachen und etwas frei werden in mir und los von einem ungeheuren Bann. Und alle Sehnsucht war von mir genommen wie der Morgentau von der Mittagswiese. Da erkannte ich, daß es die Kraft war, die ihre Schwingen in mir regte. Die Kraft, nach der ich irrend, blutend und blind die vielen Jahrtausende lang gesucht. Und die Kraft in meinem Herzen hob ihr Haupt empor und riß meine Seele mit sich hinaus in eine reine, blaue, klingende Welt Morgentau ist neu Herr, ich liebte aller Dinge Niederstes, Beflecktestes. Das Jubiläumsjahr endet mit dem Christkönigssonntag am 20. November 2016. Wenn wir an diesem Tag die Heilige Pforte schließen, werden unsere Gefühle von dankbarer Ergebenheit gegenüber der Allerheiligsten Dreifaltigkeit bestimmt sein, dass sie uns eine solche besondere Zeit der Gnade geschenkt hat. Herr, ich kniete vor dem Götzen Geld, Spielte mit den Teufeln um das goldne Glück, ein verspielter Engel. Morgentau beglänzte meine Einsamkeit. Schwüre warf ich schwärmend in den roten Mond. Herr, ich trog den Treusten häufte Ekel, kotigen Gewinst. Herr, laß mich in dich verlieren, Laß mich schweben mit den Wolken, Laß mich singen mit den Vögeln, Laß mich glänzen mit den Sternen, Laß mich lieben mit den Tieren Schreiten mit dem Schreitenden. Wir werden dann das Leben der Kirche, die gesamte Menschheit und den unermesslichen Kosmos der Herrschaft Christ anvertrauen mit der Bitte, dass seine Barmherzigkeit sich wie der Morgentau auf die Geschichte lege und sie fruchtbar werden lasse mit dem Einsatz aller für die un- mittelbare Zukunft. Wie sehr wünsche ich mir, dass die kommenden Jahre durchtränkt sein mögen von der Barmherzigkeit und dass wir auf alle Menschen zugehen und ihnen die Güte und Zärtlichkeit Gottes bringen! […]

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