Des Blinden Weihnachtsabend

Halt meine Hand, ich führ dich gut.
Ich führe dich auf dunklen Wegen
dem Licht entgegen.
Ich führe dich durch dreißig Jahr -
und heut, wie seltsam wunderbar
will sich verschollne Sehnsucht regen!

Kein Laut. Die Violine schweigt.
Dein Auge schaut in finstre Weiten.
In heilige Nacht. Die Sterne gleiten
zu unsern Häuptern hell und klar.
Ich führe dich durch dreißig Jahr -
ach du, die alten Zeiten!

Die heilige Nacht - das war einmal!
das war, eh' unsern einzigen Jungen
der Krieg verschlungen....
Das war, als noch dem heiligen Kind
mit Tannenbaum und Angebind
dein jauchzend Lied erklungen!

Das war - ach du! das Lied der Qual,
dein Lied will keine Seele hören.
In vollen Chören
erschallt der Weihnacht Festchoral.
Halt meine Hand: das war einmal,
und einmal wird es wiederkehren!
Dann blüht für uns die heilige Nacht,
dann wird auch dir der Morgen grauen,
und du wirst schauen.
Und spielen wirst du laut und klar, -
und was wir träumten, das wird wird wahr.
Halt meine Hand. -

Quelle:
Ausklang
Gedichte von Clara Müller-Jahnke
Berlin 1910
www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

 

News & Infos


Unfruchtbares Stückchen Erde, mit Steinen besäet und keine Spur von Pflanzenleben.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
Filed under Uncategorized | Comments (12)

Die Schiffbrüchigen kehrten also längs der anderen Seite der Landzunge nach dem sandigen, muschelbedeckten Lande zurück. Pencroff bemerkte, daß das Terrain von dem steileren Ufer aus aufstieg, und kam auf die Vermuthung, daß es mittels eines lang hingestreckten Kammes mit einer hohen Küste, deren Gebirgsmassen im Schatten ihren unbestimmten Umriß zeigten, zusammenhängen müsse. Vögel beherbergte diese Uferstrecke nur wenige. Auch der Seegang erschien hier minder beträchtlich. Kaum hörte man ein Geräusch von der Brandung. Offenbar bildete diese Seite der Küste einen halbkreisförmigen Busen, den die vorspringende Spitze gegen den Wellenschlag der offenen See schützte. Schiffbruch, was ist das eigentlich? Auf dieser Fahrt überlebt er bei einem Sturm in der Karibik als einziges Mitglied der Besatzung einen Schiffbruch. Hier mußten sie vier Monate warten, bis ein Schiff des Weges kam, das sie nach Australien mitnahm. Seufzend sprach ich: Du böser Poseidon, Dein Zorn ist furchtbar, Und mir selber bangt Ob der eignen Heimkehr. Die antiken Mysterien schlossen sich gegenseitig nicht aus. Je mehr Einweihungen der Gläubige hinter sich hatte, umso sicherer fühlte er sich, da alle Kulte Hilfe versprachen. In Brasilien kommt Robinson durch Geschick im Handel schnell zu Geld. Am 17. Abends brach ich im Dampfer Paita nach Callao auf. Der Compagnie Steamer Santiago ist dem Untergange auf wunderbare Weise entgangen. Einige waren besonders spezialisiert: In Samothrake garantierten die Kabiren, kleine vorgriechische Gottheiten, sicheren Schutz vor Schiffbruch. Endlich öffnete sich die Türe zur Schreckenskammer. Caspar Dulichius wurde am 8. Juli 1655, nach einer anderen Angabe bereits am 3. Juni, auf dem Marktplatze in Kamenz öffentlich mit dem Schwerte hingerichtet. Aber schVon bei dem Anblicke der Marterinstrumente erklärte der Unglückliche, er bekenne, daß er einen Bund mit dem Teufel gemacht habe, mit dessen Hilfe er auch vom Turme herabgestiegen sei. Am 6. November 1654 widerrief er zwar seine Aussage, aber es half ihm dies nichts. So starb ein Mann, der das Opfer seiner Feinde und des furchtbaren Aberglaubens seiner Zeit geworden war. Er hatte im stillen immer noch auf Befreiung gehofft. Das Sträuben des Aermsten reizte einen Kamenzer Bürger so sehr, daß dieser dem Geängsteten eine Ladung Schrot in die Hände schoß, damit Dulichius sich nicht mehr anklammern könne. Dulichius wurde in die Folterkammer nach dem Rathause geführt. Die Feinde wollten ja über ihn triumphieren. […]

Read more…

Geschieden.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
Filed under Uncategorized | Comments (12)

Zwei einsame Menschen Sie irren durchs Leben, Sie irren und suchen und suchen und streben. Zwei einsame Menschen Sie treffen zusammen, in einander fluten Ihre Seelen und Flammen. Doch Sie müssen sich trennen und weiter sie schreiten, die Ketten klirren zwei einsame Menschen Sie suchen und irren. Gegen Abend rettete ich mich endlich aus dieser alten, ehrwürdigen, gelehrten Stadt, aus der Volksmenge, die in den gewölbten Lauben, welche man fast durch alle Straßen verbreitet sieht, geschützt vor Sonne und Witterung, hin und her wandeln, gaffen, kaufen und ihre Geschäfte treiben kann. Gegen Westen ein unbegrenzter Horizont, aus dem nur die Türme von Modena herausragen. Es war ein ganz reiner Himmel, kein Wölkchen, nur am Horizont eine Art Höherauch. Der Mann ließ mich auch die gesunde Lage und Luft der Stadt daran bemerken, daß ihre Dächer wie neu aussähen und kein Ziegel durch Feuchtigkeit und Moos angegriffen sei. Man muß gestehen, die Dächer sind alle rein und schön, aber die Güte der Ziegeln mag auch etwas dazu beitragen, wenigstens in alten Zeiten hat man solche in diesen Gegenden kostbar gebrannt. Sonst habe er durch das Sehrohr die Berge von Vicenza mit ihren Häusern und Kapellen gar wohl entdecken können, jetzt bei den hellsten Tagen nur selten. Gegen Süden die Vorhügel der Apenninen, bis an ihre Gipfel bepflanzt, bewachsen, mit Kirchen, Palästen, Gartenhäusern besetzt, wie die vicentinischen Hügel. Ich bestieg den Turm und ergötzte mich an der freien Luft. Gegen Osten eine gleiche Ebene, bis ans adriatische Meer, welches man bei Sonnenaufgang gewahr wird. Im Norden sieht man die paduanischen Berge, sodann die Schweizer, Tiroler, Friauler Alpen, genug, die ganze nördliche Kette, diesmal im Nebel. Der Türmer versicherte, daß nunmehro seit sechs Jahren dieser Nebel nicht aus der Ferne komme. Die Aussicht ist herrlich! Und dieser Nebel legt sich denn vorzüglich an die nördliche Kette und macht unser liebes Vaterland zum wahren Cimmerien. […]

Read more…